Sonstiges · Ausgangslage 1996
Im trüben Reformjahr 1996 lieferte der Sport die Momente, in denen ein verunsichertes Land zueinanderfand. Der Triumph bei der [[Fußball-EM 1996]] in England — der Titelgewinn am 30. Juni durch Oliver Bierhoffs Golden Goal gegen Tschechien — war mehr als ein sportlicher Erfolg: Er war ein nationales Hochgefühl in einem Jahr, das sonst von Massenarbeitslosigkeit und dem zerbrochenen [[Sparpaket & Bündnis für Arbeit|Bündnis für Arbeit]] geprägt war. Zuvor hatte [[Jens Weissflog]] bei der [[Vierschanzentournee 1995-96]] Erfolge gefeiert, [[Boris Becker]] hielt den Tennis-Boom am Leben, und die [[Olympische Sommerspiele 1996]] in Atlanta banden die Aufmerksamkeit — überschattet vom Bombenanschlag im Centennial Park, der zeigte, daß auch das Fest der Völker verwundbar war. Die Einsicht: 1996 funktionierte der Sport als kollektives Gegengift gegen die gesellschaftliche Gedrücktheit. Während Politik und Wirtschaft Spaltung und Reformfrust produzierten, stiftete der EM-Titel jenes verbindende Wir-Gefühl, das der Standort-Debatte und der Globalisierungsangst fehlte. Es ist kein Zufall, daß der EM-Sommer bis heute heller in der Erinnerung leuchtet als das wirtschaftspolitische Krisenjahr, in dem er stattfand.